Die Harzburg mit Künstleraugen gesehen

Die Harzburg mit Künstleraugen gesehen
„Die alte Harzburg im Jahr 1500“ ist einer der neuen Archivschätze betitelt, die die Förderverein Historischer Burgberg sicherte.
„Harzburg neue Schloß Ruine“ bezieht sich wahrscheinlich auf das nie realisierte Jagdschloss, das Herzog Wilhelm plante.

Ansichtskarten aus den 1910er Jahren gesichert

Der Burgberg und die Harzburg, das sind Themen, die selbstverständlich auch auf der Archiv-Plattform Harz-History (ext.) der Bad Harzburg-Stiftung seit jeher eine wichtige Rolle spielen. Jetzt hat der Förderverein Historischer Burgberg den Fundus um zwei historische Ansichtskarten erweitert, die selbst Harzburg-Fachleuten nicht so geläufig sind.

Die Ansichtskarte „Alte Harzburg, 1574“ wurde von Ernst Behnecke im Burgberg-Hotel herausgegeben. Dieses Exemplar ging 1912 von Bad Harzburg nach Berlin.

Es handelt sich um zwei sogenannte Künstler-Ansichtskarten, auf denen künstlerische Darstellungen der Harzburg reproduziert sind. Das erste Exemplar soll „Die alte Harzburg im Jahre 1500“ darstellen, die zweite Karte zeigt die „Alte Harzburg, 1574“. Beide steuerte der Förderververein Historischer Burgberg dem Archiv der Stiftung sozusagen als Dauerleihgabe bei.

Beide Ansichtskarten stammen aus den 1910er Jahren. Bei dem Exemplar mit der Darstellung der Burg im Jahr 1574 kann dank des Poststempels sogar ganz präzise festgestellt werden, dass die Ansichtskarte am 8. April 1912 ihre Reise von Bad Harzburg nach Berlin antrat. Herausgegeben hat die Ansichtskarte Ernst Behnecke, der das Hotel Burgberg auf dem Bad Harzburger Hausberg betrieb.

Die beiden Ansichtskarten waren allerdings nicht die einzigen künstlerischen Darstellungen der Harzburg, die den Förderverein und in der Folge auch Heimatforscher in der Kurstadt beschäftigten. Mit dem Foto eines Gemäldes hatte sich ein Sammler über deren Website ratsuchend an den Förderverein gewandt.

„Harzburg neue Schloß Ruine“ ist das Aquarell betitelt, signiert und auf den 9.September (18)63 datiert. Da es sich erkennbar nicht um die Reste der Harzburg auf dem Burgberg handeln konnte, stand die Frage im Raum, ob die Ruine tatsächlich in Bad Harzburg gestanden haben mag und ob Überreste bis heute erhalten seien. Ein Foto des Bildes (hinter Glas und nicht im besten Zustand) fügte der Sammler an.

Des Bilder-Rätsels wahrscheinliche Lösung lieferte dann einmal mehr zuverlässig Harry Plaster: Die zeitgenössische Darstellung zeigt ihm zufolge Reste des geplanten Jagdschlosses, das Herzog Wilhelm um 1850 nahe des Silberborns erbauen wollte.

Die Bündheimer aber vermiesten ihm den Bau. Daraufhin wurde das Vorhaben abgebrochen. Ein Teil der Steine soll im Schlosspark gelagert worden sein. Ein anderer soll, so Harry Plaster, laut  Klaus Röttger zur Marienburg bei Nordstemmen transportiert worden sein. Er verweist auf die Chronik 750 Jahre Bündheim.

Auf dem Bild passt zumindest alles dazu: Die Hanglage, die Berge, ungefähr in Bildmitte die Harzburg, die es eigentlich nicht mehr gab. Im Zentrum der große Baum solle wohl, so Harry Plaster, auf die Gestütseichen hinweisen. Auf der Plattform Harz-History findet sich eine Skizze zu dem nie realisierten Bauprojekt.

Nicht beantwortet werden konnte lediglich die letzte Frage: Welcher Landschaftsmaler sich um 1850 in Bad Harzburg aufgehalten und zum Pinsel gegriffen hat, war trotz intensiver Internetrecherche nicht zu klären.

Die Skizze aus dem Archiv Harry Plaster zeigt das Jagdschloss, das Herzog Wilhelm Mitte des 19. Jahrhunderts nach englischem Vorbild nahe des Silberborns plante. Das Vorhaben wurde nie umgesetzt, dafür entstand später an der Stelle das Wohnhaus der Baronin von Rosenzweig, einer angeblichen Mätresse des Herzogs.

Starker Rückblick, gute Aussichten

Starker Rückblick, gute Aussichten
Der Turm des Stadtmuseums in Bad Gandersheim, an dem eine der Exkursionen der Deutschen Burgenvereinigung startet, für die der Förderverein Historischer Burgberg wirbt. Foto: Pixabay

Burgberg-Verein mit vielfältigen Angeboten

Ein mehr als zufriedenes Resümee vergangener Veranstaltungen und Aktionen sowie werbende Ausblicke auf kommende Angebote liefert der Förderverein Historischer Burgberg in einem aktuellen Rundschreiben an seine Mitglieder.

Das Mitsommer-Picknick auf dem Burgberg, zu dem der Verein auch viele Harzklub-Mitglieder willkommen heißen konnte, war nicht nur gut besucht und dank der Bewirtung durch das „Aussichtsreich“ auch überaus lecker, sondern fand durchweg großen Anklang. Folgerichtig kündigt der Vorstand um Dirk Junicke, Reinhard Vierke und Stefan Scholz für das nächste Jahr bereits jetzt eine Wiederholung an.

Im Jahr 1976 standen zum bislang letzten Mal bodenarchäologische Untersuchungen auf dem Burgberg an, um Baumaßahmen vorzubereiten. Foto: Ahrens-Archiv

Zur guten Stimmung beim Mitsommer-Picknick auf dem Bad Harzburger Hausberg dürfte unter den Burgbergfreunden auch entscheidend beigetragen haben, dass die Turmbau-Pläne auf der Harzburg nach Behördengesprächen deutlich vorankommen. Der Vorstand des Fördervereins hat inzwischen vom Landkreis Goslar die Bestätigung erhalten, dass eine Änderung des Bebauungsplans nicht erforderlich ist – was die Kasse bei dem Mammutprojekt schont. Jetzt stehen Abstimmungen mit der Denkmalschutzbehörde an, um zu klären, welche bodenarchäologischen Untersuchungen vor einem Baustart erforderlich wären.

Gemeinsam mit dem Harzklub Bad Harzburg will der Förderverein Historischer Burgberg auch in diesem Jahr wieder beim Festumzug zum Salz- und Lichterfest Flagge zeigen. Wer mit von der Partie sein und den Auftritt unterstützen will, findet sich am Samstag, 22. August 2026, um 13.30 Uhr auf dem Gestüt Bad Harzburg ein. Der Umzug durch die Stadt zum Badepark startet um 14.00 Uhr.

Eine ebenso beliebte wie bedeutsame Veranstaltung für die Mitglieder des Fördervereins Historischer Burgberg steht traditionell am 11.11. an: Der Geburtstag von Kaiser Heinrich IV. wird auf dem Burgberg stets gebührend begangen. Vor der Geburtstagsfeier wird dabei ebenso traditionell die Mitgliederversammlung abgearbeitet. In diesem Jahr inklusive einiger Neuwahlen.

Als Mitglied der Deutschen Burgenvereinigung macht der Förderverein Historischer Burgberg zudem auf zwei interessante Exkursionen der Landesgruppe Niedersachsen aufmerksam. Beide Veranstaltungen finden in Südostniedersachsen statt, erfordern also keine zu lange Anreise.

Am 24. Oktober 2026 steht von 11.00 bis 18.00 Uhr eine Tagung in Salzgitter-Salder auf dem Programm. Auf Schloss Salder findet damit die Reihe „Burgen – Schlösser – Herrenhäuser: Wo in Salzgitter der Adel saß“ ihre Fortsetzung. Anmeldungen per E-Mail sind an das Städtische Museum Schloss Salder unter Angabe der Personenzahl und eventueller „Verpflegungsteilnahme“ bis zum 2. Oktober 2026 möglich: museum@stadt.salzgitter.de.

Die zweite Exkursion geht mit dem eigenen Pkw am Sonntag, 6. September 2026, nach Bad Gandersheim, Salzderhelden und Moringen. Start ist um 9.45 Uhr an der Stiftfreiheit 3 in Bad Gandersheim. Auf dem Programm stehen unter anderem die Fürstabtei Gandersheim, die Burg Greene und die Wasserburg Moringen.

Die Anmeldungen (bis spätestens 17. August 2026) nimmt das Junicke-Kontor unter der Rufnummer 05322/2323 entgegen. Interessenten können aber auch den Weg per E-Mail an den Vorsitzenden der Landesgruppe Niedersachsen der Burgenvereinigung, Heiko Laß, wählen: LG-Niedersachsen@deutsche-burgen.org .

Nähere Informationen zu beiden Veranstaltungen der Deutschen Burgenvereinigung:

Behördentreffen legen Turmbau-Basis

Behördentreffen legen Turmbau-Basis
Aus dem Stumpf des Pulverturms heraus lässt Architekt Max Dudler den neuen Turm der Harzburg wachsen. Links in der Visualisierung das „Aussichtsreich“.

Behördengespräche legen Turmbau-Basis

„Rom wurde nicht an einem Tag erbaut“ – das aus dem mittelalterlichen Französisch stammende Sprichwort hat derzeit auch auf dem Burgberg in Bad Harzburg seine Gültigkeit. Zwar will der Förderverein Historischer Burgberg keine „ewige Stadt“ aufbauen, aber der Weiterbau der Harzburg, der vor allem auch den Pulverturm wieder erlebbar machen soll, stellt für die Ehrenamtlichen eine kaum mindere Herausforderung dar. Und daran wird auch hinter den Kulissen fleißig weitergearbeitet.

Nach der Vorstellung der Turmbaupläne durch den Schweizer Star-Architekten und Spezialisten für denkmalgeschützte Gebäude, Max Dudler, schlugen die Wellen hoch. Zum einen wie zu erwarten in den „Sozialen Medien“, in denen oft wenig sachkundig, dafür aber umso lautstärker polarisiert wurde. Zum anderen aber auch in stetig stärker werdenden Unterstützerreihen, die sich hinter den Förderverein und seine insgesamt millionenschweren Pläne für den Burgberg stellen.

Nach dem Abend mit Max Dudler vor Jahresfrist im Bündheimer Schloss und den hitzigen Diskussionen im Gefolge schien das Projekt in einen Dornröschenschlaf versunken. Aber weit gefehlt: Der Vorstand des Fördervereins um Dirk Junicke ist weiter intensiv damit befasst, die Vorkehrungen für eine Realisierung des Vorhabens zu treffen. Dazu steht der Förderverein vor allem auch mit den zuständigen Behörden bei der Stadt Bad Harzburg wie auch beim Landkreis Goslar im Austausch.

In einem ausführlichen Gespräch mit Bad Harzburgs Bauamtsleiter Tobias Brandt und Marie Scholz, im Rathaus für Stadtplanung und Umweltschutz zuständig, klärten Dirk Junicke und Stefan Scholz vom Fördervereinsvorstand eventuelle baurechtliche Hürden weiter frühzeitig ab.  Parallel dazu wurden die Fragen auch mit Margarethe Brandt, Expertin für Baurecht beim Landkreis Goslar, angesprochen.

Beim Landkreis Goslar, bei dem das Bad Harzburger Projekt unter dem Aktenzeichen 6.1/01986/26 geführt wird, wurde festgestellt, dass „der vorgelegte Entwurf (…) mit dem bestehenden Bebauungsplan vereinbar“ sei. In der Mail an den Förderverein heißt es weiter, eine Anpassung des Bebauungsplanes sei aus Sicht des Landkreises nicht erforderlich. Es gelte lediglich, Abweichungen von der Örtlichen Bauvorschrift (ÖBV), speziell zum Thema Dachform und Neigung der Dächer, im Bauantragverfahren zu berücksichtigen.

Bevor der erste Stein für den Turm auf dem Burgberg gesetzt werden kann, gilt allerdings weiter eine besondere Vorgabe, die mit Blick auf den Denkmalschutz schon bei einem Ortstermin in 2025 festgelegt wurde: Vor jedwedem Bodeneingriff auf dem Areal zwischen Turmstumpf und Burgbrunnen müsse eine umfangreiche archäologische Untersuchung und eine archäologische Bestandsaufnahme erfolgen.

Keine neue Vorgabe, aber eine Aufgabe, die den Kostenplan weiter anschwellen lässt. Rund 100.000 Euro, so erste vorsichtige Schätzungen, müssten für die Bodenuntersuchungen veranschlagt werden. Um diese Summen stemmen zu können, hofft der Förderverein Historischer Burgberg weiter auf Unterstützung aus der Bürgerschaft.

Gespendet werden kann auf das Fördervereins-Konto mit der IBAN DE93 8006 3508 5002 4094 00 bei der Harzer Volksbank eG (BIC: GENODEF1QLB). Als Verwendungszweck sollte „Turmbau“ angegeben werden. Spendenquittungen können ausgestellt werden.

Mitsommer auf dem Burgberg

Mitsommer auf dem Burgberg

Abwechslungsreicher Abend mit Ausblicken

Drückende Hitze und Gewitterschwüle mögen so manchen am Freitag (19.06.2026) vom Gipfelsturm abgehalten haben, viele aber ließen sich den Blick über das sommerliche Bad Harzburg und auf ein üppiges Buffet nicht entgehen: Das Mitsommer-Picknick des Fördervereins Historischer Burgberg war einmal mehr ein Genuss in vielerlei Hinsicht.

Für die Leckereien hatten die Gäste wie es bei der Veranstaltung Tradition ist selbst gesorgt, das Gast- und Logierhaus „Aussichtsreich“ steuerte Bier und Wein bei. Die Idee der „Selbstversorger-Party“ garantiert dabei stets eine besonders abwechslungsreiche Auswahl.

Ebenso wie die nicht minder bunte Mischung der Besucher, darunter auch etliche Harzklub-Mitglieder, die seit jeher enge Partner des Fördervereins sind. Das Konzept garantiert neben einem schönen Mitsommer-Abend auf dem Bad Harzburger Hausberg interessante und abwechslungsreiche Gespräche. Wobei das Wetter als Thema sogar den Turmplänen und deren Aussichten (Bericht folgt) ein wenig den Rang abzulaufen drohte. Die Fußball-Weltmeisterschaft musste sich derweil eindeutig mit einem hinteren Platz begnügen…

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Internationaler Museumstag

Internationaler Museumstag

Berg und Tal: Die Burg im Blick

Ein Museumstag ist immer auch ein Blick zurück in die Geschichte – und der schweift in Bad Harzburg häufig in die Höhe, auf den Burgberg und zur Harzburg. In diesem Jahr am Sonntag, 17. Mai, allerdings sollte das Interesse durchaus auch talwärts gerichtet sein, denn der Harzklub stellt in der Remise an der Forstwiese Fundstücke früherer Harzburg-Ausgrabungen aus, während auf dem Burgberg selbst der Förderverein Historischer Burgberg ein interessantes und abwechslungsreiches Programm bietet.

Dass der Harzklub zum Internationalen Museumstag die Burgberg-Ausstellung in den Fokus rückt, hat einen guten Grund: Seit 30 Jahren haben die Exponate ihr Domizil in dem Heimatmuseum gefunden. Von 11 bis 17 Uhr ist die Remise am Sonntag, 17. Mai, geöffnet und präsentiert viele Ausstellungsbereiche dabei nachhaltig überarbeitet.

Dabei wird an dem Museumstag um 12.00 Uhr in der Remise auch ein neuer Ausstellungsraum eröffnet. „Von Bergbau zu Druckkunst“ reicht der Themenreigen in der neuen Abteilung des Harzklub-Heimatmuseums.

Die Besucher können und sollen allerdings nicht nur schauen, sondern dürfen gern auch selbst aktiv werden. Neben etlichen Sonderführungen werden dazu auch Mitmach-Aktionen geboten. Und für den Austausch bei Kaffee und Kuchen ist selbstverständlich auch ein Plätzchen geschaffen.

Auf dem Bad Harzburger Hausberg richtet der Förderverein Historischer Burgberg den Blick am Museumstag durchaus auch in die Zukunft: Um 16.00 Uhr stellt Vorsitzender Dirk Junicke am Turmstumpf auf dem Plateau die Planungen des Schweizer Architekten Max Dudler zum Weiterbau der Harzburg vor.

Im Anschluss lädt stellvertretender Vorsitzender Reinhard Vierke zu einer Burgenführung ein. Rund 40 Minuten werden die Teilnehmer dabei unterwegs sein. Von 17 Uhr an ist zudem die Harzsagenhalle auf dem Burgberg geöffnet, können Ausflüge in die Harzer Sagenwelt gestartet werden.

Den Burgberg herausgeputzt

Den Burgberg herausgeputzt

Zwei starke Vereine Seite an Seite

Der Burgberg hat sich in den letzten Jahren zunehmend zum touristischen Hotspot für Bad Harzburg und den Harz entwickelt. Wozu auch der Förderverein Historischer Burgberg beigetragen hat und weiter beitragen wird. Was auf der einen Seite für Freude sorgt, hat allerdings auch seine Schattenseite: Der „Wohlstandmüll“ schafft es an die Wegesränder auch auf Bad Harzburgs Hausberg. Damit er dort nicht überhandnimmt, sind mit dem Harzklub Bad Harzburg und dem Förderverein zwei starke Vereine Jahr für Jahr bei der städtischen Aktion „Saubere Landschaft“ aktiv.

Das berühmte Fußballmotto „Elf Freunde sollt ihr sein“ hätte an dem Aktions-Freitag bestens gepasst: sechs Mitstreitende stellte der Harzklub, fünf Aktive „Ausputzer“ kamen aus Reihen des Fördervereins Historischer Burgberg. Das erforderliche Equipment wie Sammelsäcke und Müllgreifer hatte Fördervereins-Vizepräsident Reinhard Vierke als Planer des Einsatzes bei der Stadtverwaltung organisiert.

Gemeinsam nahmen sich die Aktiven dann das Areal rund um das Plateau vor und bei dieser Gelegenheit auch gleich die Verbesserung der Hang-Abfangung in Angriff. Zum Glück bei idealem Frühjahrsputz-Wetter: strahlender Sonnenschein und nicht zu warm.

Zum großen Finale eines arbeitsreichen Tages fanden sich dann alle auf Einladung des Fördervereins-Vorsitzenden Dirk Junicke im „Aussichtsreich“ ein. Mit einer ebenso stärkenden wie leckeren Mahlzeit klang die Aktion „Saubere Landschaft 2026“ aus.

Im nächsten Jahr steht ein Jubiläum an: Bereits zum 39. Mal hat die Stadt Bad Harzburg in diesem Jahr zur „Aktion Saubere Landschaft“ aufgerufen. Und Jahr für Jahr beteiligen sich viele Vereine und Institutionen am Großreinemachen in der Natur rund um und in der Stadt. Und das Duo Förderverein Historischer Burgberg und Harzklub Bad Harzburg kann dabei für sich stets die höchste Putzetappe auf fast 500 Metern reklamieren.

Neue Schilder weisen den Weg

Neue Schilder weisen den Weg

Reinhard Vierke hat die Ausschilderung des 3-Burgen-Wegs erneuert

Drei Berge, drei Burgen, da kann man schon mal die Orientierung verlieren – wenn es sich nicht um den 3-Burgen-Weg in Bad Harzburg handelt: Rechtzeitig zum Osterfest und zum beginnenden Wander-Frühling hat Reinhard Vierke, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Historischer Burgberg und ebenso passionierter wie versierter Wanderführer, die Ausschilderung rund um Kleinen und Großen Burgberg sowie den Sachsenberg sozusagen generalüberholt.

Der 3-Burgen-Weg führt durch die bewegte Geschichte der Kaiser und Könige, die auf und von der „Hartesburg“ residierten und regierten. Das Wege-Logo führt die Wanderer über Eichenberg, Sachsenberg, Kleiner und Großer Burgberg zu den drei Burgen. Wem der Rundweg in einem Stück zu herausfordernd erscheint, der kann die Tour auch in zwei Etappen aufgeteilt in Angriff nehmen.

Dabei sind die Wegweiser ein wesentlicher Eckpfeiler für eine strikte Route zu den Schauplätzen der Geschichte. Von Zeit zu Zeit allerdings muss der Förderverein Historischer Burgberg aktiv werden, denn an den Schildern nagt nicht allein der Zahn der Zeit. Die Wegweiser besitzen für etliche Zeitgenossen offenkundig auch einen erheblichen Sammlerwert…

Bei seinem jüngsten Einsatz hat Reinhard Vierke so wieder zwölf Schilder ersetzen müssen. Einige waren verschwunden, andere kaum mehr zu entziffern. Zudem wurden zusätzliche Schilder und Wegepfeile angebracht, um Burgen-Wanderer sicher zu geleiten.

Wer absolut auf Nummer Sicher gehen will, der sollte den Veranstaltungskalender der Kurverwaltung mit den Wanderangeboten (ext.) im Blick behalten. Neben vielen anderen Touren bietet Reinhard Vierke dort ab und an auch den 3-Burgen-Weg an. Mit dem Experten an der Seite ist ein Verlaufen ausgeschlossen und die Tour wird auch noch mit vielen interessanten Informationen rund um die Bad Harzburger Burgen bereichert.

Ausklang auf dem Wintermarkt

Ausklang auf dem Wintermarkt

Das Miteinander fördern

Es hat schon Tradition in Reihen des Fördervereins Historischer Burgberg, das Jahr Mitte Dezember gemeinsam auf dem Wintermarkt auf dem Port-Louis-Platz bei Schausteller-Familie Zech ausklingen zu lassen. Eine Tradition, die nun auch 2025 am 12. Dezember fortgesetzt wurde.

Naturgemäß ist in der nur vorgeblich so besinnlichen Adventszeit der Andrang überschaubar, denn die Vorbereitungen aufs Christfest und für viele, gerade ehrenamtlich Aktive, eine ganz Kette von Weihnachtsfeiern füllen den Terminkalender leider praller als vor wenigen Tagen den Nikolausstiefel. Dennoch ließen sich viele Mitglieder des Fördervereins das Treffen bei Glühwein, Bratwurst und Schmalzgebäck nicht entgehen und folgten der Einladung des Vorstands um Dirk Junicke, Reinhard Vierke und Stefan Scholz.

Die Turmbaupläne auf dem Burgberg waren natürlich auch bei dieser Gelegenheit ein allgegenwärtiges Gesprächsthema, wird das Mammutprojekt den Förderverein doch ohne Frage auf Jahre hinaus beschäftigen. Dennoch war auf dem Wintermarkt anderes vordringlich: Das Miteinander, das der Verein stets und zu jeder Jahreszeit pflegt und fördert.

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Kleine Auktion für große Turmpläne

Kleine Auktion für große Turmpläne

Horst Woick und Dirk Junicke mit dem Schwibbogen, der am 7. Dezember um 18.00 Uhr im Gestüt versteigert wird.

Geschichtsträchtiger Schwibbogen „unterm Hammer“

Die Skizze. mit der Horst Woick 1991 für den Thermalbad-Schwibbogen warb.

Beim Aufräumen hat Horst Woick einen Schatz entdeckt, an dessen Entstehung er selbst einst als Kurdirektor wesentlich beteiligt war: Ein kleiner, hell leuchtender Schwibbogen, den der Ehrenvorsitzende des Fördervereins Burgberg 1991 entwarf und der als Modell für eine riesige Variante diente, die lange in der Weihnachtszeit das Thermal-Solebad zierte. Am Sonntag, 7. Dezember 2025, wird der kleine Schwibbogen, der Herzog Julius, Kaiser Heinrich IV. und Krodo zeigt, beim „Advent im Gestüt“ versteigert. Der Erlös fließt in den Topf, aus dem der Förderverein seine Turmpläne auf dem Burgberg finanzieren will.

Los geht es mit der Aktion um 18.00 Uhr in der Reithalle des Gestüts und Fördervereins-Vorsitzender Dirk Junicke hofft angesichts des Millionen-Projekts auf dem Bad Harzburger Hausberg auf spendable Auktions-Besucher. Wer auch immer den Zuschlag erhält, erwirbt damit in mehrfacher Hinsicht auch gleich ein Stück Bad Harzburger Historie. Zum einen mit Blick auf die dargestellten Figuren, zum anderen im Hinblick auf die Entstehungsgeschichte.

Diese jüngere Historie lässt sich dabei genau belegen, denn es existierte auch eine Skizze aus dem Jahr 1991, auf der der heute 92-jährige Horst Woick seinerzeit seine Idee umriss. Nach dieser Zeichnung wurde das jetzt zu ersteigernde Modell gefertigt.

Festvortrag „125 Jahre Harzburger Volksbank“

Festvortrag „125 Jahre Harzburger Volksbank“
Bauarbeiten im August 1956 am Neubau der Harzburger Volksbank in der Herzog-Wilhelm-Straße am Rosengarten in Bad Harzburg. Foto: Ahrens-Archiv

Festvortrag „125 Jahre Harzburger Volksbank“

Vorbemerkung: Der Festvortrag, den Horst Woick 2005 hielt, ist ein „Parforceritt“ durch die Geschichte der Stadt Bad Harzburg ebenso wie der Harzburger Volksbank. Der Vortrag wurde für diese Internetdarstellung mit Fotos der Plattform Harz-History (Bad Harzburg-Stiftung) bebildert.

Sehr geehrter Herr Landrat, sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr verehrter Herr Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrates Dr. v. Damm, sehr geehrte Damen und Herren des Aufsichtsrates und des Vorstandes, liebe Mitglieder der „Vereinigten Volksbank“!

Laudator Horst Woick an der Statue des Krodo, auf den mehrfach Bezug genommen wird.

125 Jahre Erfolgsgeschichte der „Harzburger Volksbank“, wie Ihre Bank liebevoll im Volksmund genannt wird, sind auch 125 Jahre Erfolgsgeschichte unserer Stadt Bad Harzburg. In dem neuen Volksbank-Kalender 2006, den Frau Prause und Herr Plaster gestaltet haben, ist diese Epoche auch sehr gut dargestellt.

Wenn man aber diese Zeit bewerten will, muss man schon etwas weiter in die Vergangenheit zurückblicken. Einige historische Persönlichkeiten haben erst die Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Erfolg dieser Stadt geschaffen.

Da war in grauer Vergangenheit hoch auf dem Burgberg der Götze Krodo, der heute noch in Wort und Bild im Stadtbild allgegenwärtig ist und auch in einer besonderen Beziehung zu Ihrer Volksbank steht. Dazu aber mehr am Ende meines Vortrages.

Dieser germanische Gott wurde von den damaligen Bewohnern dieser Region zur Erhaltung der Gesundheit und Fruchtbarkeit angerufen – und was steht dem späteren Heilbad und Kurort am Fuße des Burgberges besser zu Gesicht als eine Gottheit, die Genesung und Heilung verspricht.

Der nächste, der unserer zukünftigen Stadt eine markante Prägung verlieh, war Kaiser Heinrich IV., der hier – ab 1065 – eine der ersten und wohl die größte Burg in seinem Reich bauen ließ. Diese Burg gab unserer Stadt auch ihren Namen: zuerst „Neustadt unter der Harzburg“ und später „Bad Harzburg“.

Die Bismarck-Säule (Canossa-Säule) auf dem Burgberg Anfang des 20. Jahrhunderts. Archiv Simonsen

Sein schwerer Gang zu Papst Gregor nach Canossa ist Weltgeschichte. Noch heute erinnert uns die weithin sichtbare Canossasäule auf dem Gr. Burgberg daran. Sie wurde 1877 von Harzburger Bürgern zur Würdigung der Standhaftigkeit des Reichskanzlers Bismarck im Kulturkampf gegen die katholische Kirche aufgestellt.

Die katholische Gemeinde Bündheim war dagegen und baute als Reaktion daraufhin einige Jahre später – auch mit Spendengeldern – eine Kirche an der Radau und weihte sie dem Papst Gregor.

Damit war der Religionsfrieden im Amt Harzburg wieder hergestellt.

Einige Jahrhunderte später – um 1570 – legte Herzog Julius zu Braunschweig-Lüneburg mit der Erschließung einer Solequelle den Grundstock für unser Heilbad. Noch heute profitieren unsere Einrichtungen nachhaltig von dieser Quelle, die zum Wohle unserer Gäste und der Bürger tagtäglich sprudelnd aus der Erde kommt.

Das verdanken wir einer geologischen Besonderheit, die uns im engsten Stadtgebiet noch weitere Bodenschätze, wie den Gabbrostein, die Eisenerze, den Elfensteinquarzit und vieles andere mehr beschert hat. Schon Goethe nannte das Gebiet unserer Heimat zwischen Goslar, Clausthal, Torfhaus und Bad Harzburg die „Goldene Quadratmeile der Geologie“.

Jetzt nähern wir uns langsam dem Gründungsdatum Ihrer Volksbank, aber vorher – um 1840 – hat noch ein wichtiger Mann dafür gesorgt, das sich hier die Räder im wahrsten Sinne des Wortes drehen. Es war Philipp August v. Amsberg, der als Verkehrsminister von Braunschweig die erste deutsche Staatseisenbahn von Braunschweig über Wolfenbüttel nach Bad Harzburg bauen ließ.

Der Bad Harzburger Bahnhof Anfang des 20. Jahrhunderts (KI-koloriert). Archiv Simonsen

Um diese Bahn mit Fahrgästen zu füllen, musste er dafür Sorge tragen, das in Neustadt unter der Harzburg auch was los war. Das Marketing für das spätere Heilbad war gefunden und viele Einrichtungen sind heute noch darauf zurückzuführen. Zum Beispiel der Radau-Wasserfall und die vielen Promenadenwege im „Kalten Tal“ und dem „Riefenbachtal“.

Diese Eisenbahnlinie, die hier in einen Sackbahnhof endet, sorgte 1879 noch einmal in den Harzer Zeitungen für Aufregung. Es gab ernsthafte Pläne, eine weitere Bahnlinie durch das Radautal über den Harz, mit Abzweig vom Torfhaus zum Brocken, zu bauen. Es waren auch zwei Haltestellen in Bad Harzburg geplant: eine bei Löhrs Hotel – heute Stadtmitte – und die zweite hinter dem Kurhaus. Nicht auszudenken, was das für die heutige Stadt Bad Harzburg bedeutet hätte.

20 Jahre später wurde diese Harzquerbahn – man kann sagen „Zum Glück“ – in Wernigerode gebaut. Wer einmal am Westerntor im Stau gestanden hat, weiß wovon ich spreche.

Um das Jahr 1880 herrschte im Harz und in Neustadt unter der Harzburg Aufbruchstimmung – ganz im Gegensatz zu Heute!

Ihre Bank wurde als Spar- u. Vorschussverein gegründet.

In den ersten Jahren bis 1908 fanden die Galopprennen auf der Großen Wiese in Bad Harzburg statt. Foto: Archiv Markus Weber

Parallel dazu gründete sich der Harzburger Rennverein, der noch heute für einen nachhaltigen Erfolg in unserer Stadt steht.

Ferner wurde der Harzklub gegründet, der ebenfalls noch heute sehr viel für den Wirtschaftfaktor „Fremdenverkehr“ und zur Erhaltung unserer Natur in ehrenamtlicher Arbeit macht.

1890 kam zum ersten Mal durch Herrn Freiherr von Asche der Gedanke auf, eine Drahtseilbahn vom Hotel Juliushall auf den Gr. Burgberg zu bauen. Der Gedanke wurde aber leider wieder verworfen.

1892 wurde der Neustadt unter der Harzburg das Prädikat „Heilbad“ verliehen und sie nannte sich von nun an „Bad Harzburg“.

1894 folgte die Anerkennung der Stadtrechte und so heißen wir nun Stadt Bad Harzburg und haben seitdem auch ein eigenes Stadtwappen. Leider aber mit dem „Wilden Mann“ des Harzes. Besser wäre an dessen Stelle der Götze Krodo, den nur wir hier in Bad Harzburg haben.

Das Kurmittelhaus im Badepark vis-a-vis der Wandelhalle Anfang des 20. Jahrhnderts (KI-koloriert). Archiv Simonsen

1898 gelang ein großer Wurf mit dem Bau des Kurmittelhauses, zusammen mit unserer wunderschönen, einmaligen Wandelhalle. Alles zusammen, ein denkmalsgeschütztes Gesamtwerk – der Badepark.

Bad Harzburg war damit zur Jahrhundertwende – wie man heute sagen würde, gut aufgestellt – und nahm einen hohen Rang unter den ersten 10 deutschen Heilbädern ein. Im Zusammenhang mit den alljährlichen Galopprennwochen kamen namhafte Persönlichkeiten aus nah und fern hierher zur Kur.

Die Wandelhalle im Badepark Anfang des 20. Jahrhunderts (Foto KI-coloriert). Das prächtige Gebäude hat Horst Woick als Kurdirektor in den 1980er Jahren mit Millionenaufwand großartig restaurieren lassen.

In erster Linie war Bad Harzburg aber ein Frauenheilbad, wohin man Damen schickte, deren Kinderwunsch zu Hause nicht in Erfüllung ging. Damals dachte keiner daran, dass die Schuld eventuell auch beim Ehemann liegen könnte.

Aber damit konnte hier in den meisten Fällen abgeholfen werden. Schneidige Offiziere, die auf der Rennbahn als Jockeys ihren Dienst taten, waren am Trinkbrunnen und beim Tanztee bei den jungen Frauen sehr beliebt. So kam es, wie es kommen musste, der erste Begrüßungsabend zurück beim Ehemann führte zum Kurerfolg und die junge Frau brachte neun Monate später ein gesundes Kind zur Welt.

Die Hermann-Löns-Bank am Philosophenbach Anfang des 20. Jahrhunderts (KI-koloriert). Archiv Simonsen

Nur der fleißige „Kurschatten“ im fernen Bad Harzburg ahnte nichts von dem Familienglück, musste er sich doch schon wieder neuen Aufgaben zuwenden.

So war auch der bekannte Heimatdichter Hermann Löns häufiger Gast an den Renntagen und zur Jagd in Bad Harzburg. Der Weinkeller unter der Drogerie Steckel war sein Lieblingsplatz. Am Philosophenbach sinnierte er über einen Harzer Heimatpark am Molkenhaus, dem Vorgänger unseres heutigen Nationalparks.

Unser Juliushaller Mineralwasser wurde auf fast allen Überseedampfern ausgeschenkt und erhielt erste Preise in Amerika und Australien.

1925 verursachten zwei gewaltige Hochwasser starke Zerstörungen an den Einrichtungen in der Nähe der Herzog-Wilhelm-Straße. Als Folge davon bauten die Bürger unter großen finanziellen Aufwendungen die 3 m hohen Mauern an der Radau, die uns bis heute von weiterer Wasser-Katastrophen verschont haben.

Eigens aufgelegte Postkarten verbreiteten 1929 die Kunde von der Burgberg-Seilbahn in Bad Harzburg.

1929 wurde die – ich möchte sagen – für damalige Verhältnisse weltbekannte Bad Harzburger Burgberg-Seilbahn gebaut. Diese hat bis heute über 24 Mio. Fahrgäste auf den Gr. Burgberg transportiert und ist damit noch immer ein großer Beitrag und auch Werbeträger für den Fremdenverkehr in Bad Harzburg.

1930 folgt der Bau des für uns einmaligen Krodobades, damals gedacht als Trainingszentrum für die 1936 geplante Olympiade. Heute noch – trotz Konkurrenz und wirtschaftlicher Schwierigkeiten – eine sommerliche Attraktion in Bad Harzburg.

1933 werden die Bankschalter wegen der Weltwirtschaftskrise geschlossen – es bewahrheitet sich: Geld allein macht nicht glücklich, man muss auch Immobilien und gute Papiere haben!

Dr. v. Damm sen. wird Vorsitzender der Harzburger Bank, Walter Röger und Otto Siegers kommen in den Vorstand. Damit kommen jetzt Personen „ins Spiel“, die für uns Ältere ein Gesicht haben, weil wir sie noch aus dem damaligen Stadtbild gut kennen.

Die unglückliche Zeit vor und während des Zweiten Weltkrieges bringt für uns an wertvollen Überlieferungen den Ausbau der Sportanlage Waldhöhe und vor allem den Ausbau der Nordhäuser Straße/B 4, die damit die Herzog-Wilhelm-Straße als alte Poststraße vom Durchgangsverkehr befreite.  Leider fielen dem Straßenbau seinerzeit aber die herrlichen Arkaden am Eichenteich zum Opfer – dafür haben wir heute das „Haus der Natur“ mit einem nazifizierten Krodo am Giebel.

1945 hatte Bad Harzburg in zweierlei Hinsicht großes Glück  

  • bei der Sprengung der Muna waren die Schäden im Ort überschaubar,
  • die Grenze zur russischen Besatzungszone wurde nach vielen Verhandlungen im Hotel „Rheinischer Hof“ nicht, wie von den Russen gefordert, auf die Mitte der Radau – und damit mitten durch Bad Harzburg – gelegt. Damit hatten die Engländer ihr geplantes Leave Centre für die Rheinarmee in Bad Harzburg und im Harzburger Hof gerettet.
Die „Leave Center“-Zeit von 1945 bis 1956 dokomentierte Fotograf Herbert Ahrens.

Der spätere Bürgermeister Fritz Schrader wird Vorsitzender, und bekannte Namen wie Dr. v. Damm, August Lüders, August Wolf und Wilhelm Hartwieg treten in Erscheinung.

Es folgt die Währungsreform und die Bank heißt jetzt Bad Harzburger Volksbank eGmbH und hat über 850 Mitglieder und eine Bilanzsumme von 2 Mio. DM .

Die Rheinarmee verlässt 1956 Bad Harzburg und schließt das Leave Centre. Zurück blieben eine Reihe von Hotels mit einer alten Bausubstanz.

Andere bedeutende Heilbäder kamen bereits eher wieder in Schwung und hatten schon moderne Kliniken für die stationäre Kur eingerichtet. Deshalb setzte Bad Harzburg auf die ambulante Kur – im Hotel wohnen und im Kurmittelhaus kuren. Einige alte Hotels kamen mit dieser Entwicklung nicht mehr mit und sind heute überwiegend abgebrochen und durch Wohnungsneubauten ersetzt.

Ein historisches Hotel, das Löhr’sche Hotel in der Stadtmitte, fiel schon vorher dem Abbruch zum Opfer. In dem freigewordenen Parkgelände baute ein Unternehmer aus Hannover eine Häuserzeile mit Tankstelle. Im Erdgeschoß wurde die seinerzeitige Kult-Gaststätte „Löwenbräu“ eingerichtet. Das war das erste Lokal in Bad Harzburg mit ausländischer Küche – bayerische Spezialitäten und der unvergessene Balkanteller – viele Harzburger lernten so zum  ersten Mal die Schärfe von Peperoni kennen. 

1960 hat die Volksbank schon 1.282 Mitglieder und 13,6 Mio. DM Bilanzsumme!

Mitte der 1960er Jahre wird die B4-Ortsdurchfahrt Bad Harzburg gebaut. Foto: Ahrens-Archiv

1964 begann die Planung zum Bau einer Ortsumgehung der B 4. Das Straßenbauamt favorisierte die sogenannte Westumgehung – durch Bündheim/Schlewecke und die Gestütswiesen in Richtung Papenberg. Dort sollte die B 4 in einem Tunnel den Berg durchqueren und erst am Steinbruch wieder zu Tage treten.

Im Ort wurde die Ost-Trasse – praktisch mitten durch die Stadt –  bevorzugt. Die Gäste sollten in Zukunft nicht an Bad Harzburg vorbeifahren, sondern weiterhin hier einkehren können. Wie wir heute wissen, kam die Ost-Trasse zum Tragen. Welche Lösung damals die Richtige gewesen wäre, kann man selbst heute nicht beantworten.

Das alte Eggeling’sche Hotel, schon damals Rathaus, musste dem Straßeneinschnitt weichen und wurde mit vielen anderen Häusern abgebrochen. Ein neues Rathaus mit einer eigenen neuen Strasse – der Forstwiese – wurde 1970 in Betrieb genommen.

1972 brachte die große Gemeinde- und Gebietsreform viele Veränderungen, an die sich die Bürger erst gewöhnen mussten. Statt zu Wolfenbüttel gehörte man nun zum Landkreis Goslar, und die Goslarer Beamten mussten den bis dahin vom Landkreis Wolfenbüttel verwöhnten Bad Harzburgern erst den rechten Behördenweg zeigen.

Seit 1973 wird jährlich die Harzüberquerung erwandert. Noch heute ist die Volksbank Sponsor eines Volkswandertages. Nun hat sich auch hier die Welt der Wandervögel verändert. Sie haben sich getrennt – die einen wandern weiterhin fleißig durch die Wälder, und die anderen,  na,  die machen heute Nordic Walking…

1974 wird Dr. v. Damm Vorsitzender des Aufsichtsrates. Die Volksbank hat nun 2.394 Mitglieder und die Bilanzsumme beträgt stolze 77,2 Mio. DM.

Aufnahmen in der neuen Bummelallee Bad Harzburg, die Fußgängerzone war Pfingsten 1976 eingeweiht worden. Foto: Ahrens-Archiv

1976 kommt es mit dem umstrittenen Umbau der oberen Herzog-Wilhelm-Straße zu einer Fußgängerzone – heute Bummeallee – zu einem entscheidenden Eingriff in die innerstädtische Verkehrsführung.  Wir haben es alle überlebt und könnten heute wohl kaum auf unsere Bummelallee verzichten. Man kann es sich gar nicht mehr vorstellen, wie es einmal war. Im Mai, wenn die Kastanien blühen – die schönste Fußgängerstraße so weit wie man denken kann !

1984 kommt Herr Fleger in den Vorstand der Harzburger Volksbank, Herr Ohlendorf folgt ihm 1988.

1988 wird auch die Zeit des großen Umbruchs – die Stadt und die Kurverwaltung geben das so genannte  Fried-Gutachten in Auftrag, wonach die drei Standbeine des Fremdenverkehrs (Kur – Wellness – Urlaub) neu zu ordnen sind. Das Kurmittelhaus wird geschlossen und ein modernes Hotel. Das Thermalbad wird renoviert und ein neues Kurzentrum im Stadtpark errichtet. Die Gäste und Bewohner unserer Stadt nehmen diese neuen Einrichtungen dankbar an.

1989 erfolgt die für uns alle noch heute in Erinnerung gebliebene Wiedervereinigung. Bad Harzburg war bundesweit einer der beliebtesten Grenzübergänge, wo die späteren neuen Bundesbürger den bekannten Wohlstand der alten Bundesländer kennen lernen wollten.

Natürlich gab es auch das Begrüßungsgeld, das völlig unbürokratisch zur Auszahlung kam. Ein Geldumlauf in nie bekannter Größenordnung kam innerhalb von Stunden – und das am Wochenende – in Gang. Hunderttausende Bürger der DDR holten sich die 100 DM, gingen in das nächste Geschäft, kaufen sich den Artikel ihrer Wünsche (wenn er noch da war), der Umsatz wurde schnellstens zur Bank getragen, dort registriert und in Plastiktüten verpackt sofort wieder durch Boten in das Rathaus zur nächsten Auszahlung gebracht. Innerhalb kurzer Zeit war Bad Harzburg ausverkauft – schnellstens mussten neue Waren her.

Weltpolitik vor der eigenen Haustür: Die Grenzöffnung 1989 zwischen Stapelburg und Eckertal. Foto: Ahrens-Archiv

Leider ist der Umsatz, aber auch der Gewinn für die Geschäftsleute bis heute nicht so geblieben. Da kam es seinerzeit schon mal vor, dass ein Geschäftsmann von seinem Umsatz gleich einen größeren Betrag direkt auf sein Sparbuch einzahlen wollte und das dem Schalterangestellten zuflüsterte. Dieser sagte dann zu ihm, er könne ruhig laut sprechen, schwacher Umsatz sei auch in diesen Tagen keine Schande.

1992 erfolgt der Zusammenschluss mit der Volksbank Wernigerode, Herr Becker kommt in den Vorstand und die Bilanzsumme erhöht sich auf 372,5 Mio. DM.

1997 wird Herr Dr. v. Damm zum Ehrenvorsitzenden gewählt, ihm folgt Herr Otto Pake als neuer Vorsitzender.

2001 erfolgt der Zusammenschluss mit der Volksbank Halberstadt.

2002 stellt ein junger, dynamischer Bad Harzburger Jungunternehmer das Modell eines Jungbrunnens auf dem Platz Stadtmitte vor. Die dargestellten nackten, schweinchenrosa-farbenen Figuren erregen öffentliches Ärgernis und das Projekt, ganz auf Spendenbasis gestellt, droht zu scheitern. Eine unermüdliche Öffentlichkeitsarbeit verhilft dem Brunnen doch noch zum Gelingen. Viele Sponsoren sind interessiert.

2004 – die Planungen zur Modernisierung des Rennbahngeläufes und zum Bau eines Sportparks am Herbrink mit der Golfplatzerweiterung auf 18 Loch laufen an.

Der Bau eines neuen Volksbankgebäudes in Bad Harzburg wird begonnen – die Bilanzsumme beträgt jetzt 488 Mio. €

Jetzt, 2005, ist fast alles fertig,

  • das Rennbahngeläuf wird langsam grün,
  • der neue Pavillon leuchtet weithin wie ein Edelstein,
  • das neue Volksbank-Bankgebäude steht und ist im Betrieb
  • der Jungbrunnen ist mit vielen niedlichen und bedeutungsvollen Figuren versehen und fast alle Passanten erfreuen sich an den hintergründigen Witz, der dort verborgen ist.
Der Jungbrunnen auf dem Platz Stadtmitte mit dem Krodo. Foto: Stadtmarketing Bad Harzburg

Eine besonders gut gelungene Brunnen-Figur verdient heute besondere Erwähnung und erlangt damit auch die Bedeutung, die ihr schon seit Jahrtausenden beigemessen wird. Es ist der Götze Crodo, gesponsert durch die  Harzburger Volksbank, ein sehr verschmitzter Gnom, dessen Rockschoß durch eine Volksbank-Brosche zusammen gehalten wird.

Sie alle sind als Mitglieder der Volksbank dadurch Miteigentümer dieser Figur und damit auch des Brunnens. Wie war es noch:

Der Götze Crodo steht für Gesundheit, Fruchtbarkeit und Wohlergehen.

Wer davon noch nicht genug hat, der sollte schnellstens zum Jungbrunnen gehen und dem Crodo an seine niedliche Knollennase fassen und seinen Wunsch äußern – dieser geht dann mit Sicherheit in Erfüllung! Was kann man der Harzburger Volksbank und seine Mitglieder mehr für die Zukunft wünschen?

Ich wünschen Ihnen allen für den weiteren Lebensweg ein harzliches Glückauf

Ihr

Horst Woick

01. November 2005