
Mit knappen Strichen und launigen Worten
Der frühere Bad Harzburger Rechtsanwalt/Notar und langjährige Ratsherr Hans-Henning Borchhardt hat um 1970 die Harzer Historie und vor allem aber auch die Bad Harzburger Geschichte mit spitzer Feder und sehr humorigen Sprechblasen zu Papier und anschließend in Buchform (Auflage vergriffen) gebracht. An das Werk und seinen Schöpfer soll hier erinnert sein.
Die Besiedlung der Harzer Wälder in grauer Vorzeit durch vorbeiziehende Völkerscharen wurde von Borchhardt als erste touristische Erschließung des Harzes ausgemacht. Der europäische Kaiser Karl der Große christianisierte die hier nun sesshaften Sachsen und lässt sie in den wilden Gebirgsbächen taufen.

Ein Höhepunkt unserer Geschichte findet 918 beim Vogelfang mit dem Antrag der Königskrone an den Sachsenherzog Heinrich statt. Der Harz wird damit zum Geburtsort des ersten deutschen Reiches. Den immer wieder herannahenden Hunnen wird mit der Kaiser-Pfalz Werla ein stabiles Bollwerk entgegen- und den ungarischen Einfällen ein Ende gesetzt.
Als Sohn von Heinrich I. wird Otto der Große in Rom zum Kaiser gekrönt und damit wird die immer noch hinterwäldlerische Harzregion mit der zivilisierten Welt des Heiligen römischen Reiches Deutscher Nation vereint. Die Städte Quedlinburg und dann Goslar werden dadurch der Mittelpunkt deutscher Könige und Kaiser.
Mit der Schatzkammer des Goslarer Rammelsbergs sichert sich der nunmehr salische Kaiser Heinrich III. eine stabile Geldquelle. Selbst der Papst Viktor II. kommt persönlich nach Goslar, um ihn hier zum Kaiser zu krönen. Die für das spätere Bad Harzburg so wichtige Entscheidung fiel durch seinen Sohn Heinrich IV. 1065 mit dem Bau der ersten Harzburg und weiterer Burgen um den Harz zur Unterdrückung der hier wohnenden Bevölkerung.
So geht es frei nach Hans-Henning Borchhardt Seite für Seite weiter in seinen beiden Büchern „Heitere Wanderung durch die bewegte Geschichte der Harzer bzw. Braunschweiger Lande“. Erschienen im Verlag seines Bruder Jobst Borchhardt.

Über den ersten welfischen Kaiser Otto IV. mit seinem Wirken von Braunschweig auf Goslar und dass Harzvorland, sowie durch seinen spektakulären Tod auf der HARZBURG. Das segensreiche Wirken von Herzog Julius mit der Erschließung Bad Harzburger Solequelle bringt dem damaligen „Amt Harzburg“ einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis heute anhält. Die Harzburger Sole sprudelt heute noch zum Wohle der Gäste und Bürger dieser Region.
Weiter wird die Neuzeit ab 1842 mit der Umstellung der Sole von der Salzgewinnung zu Heilbadezwecken mit den ersten Kurgästen in den Sole-Wannen eingeläutet. Aus „Neustadt unter der Harzburg“ wird Bad Harzburg.
Aber auch von der Veranstaltung der nicht gerade positiven Harzburger Front (1931) im Kurpark und der Einrichtung der innerdeutschen Grenzziehung (1961 – 1989) wird gezeichnet und berichtet. So könnte man immer weiter das skizzenhafte und leicht ironische Wirken von Hans-Henning Borchhardt für unsere Region beschreiben. Dazu kommen noch viele kulturhistorische Landschaftskarten im gleichen eigenwilligen Stil.
Die Burgbrunnen-Befahrung 1966

Mit diesem Geschichtswissen kam Hans-Hennning Borchhardt auf die Idee, im Jahr 1966 den Harzburger Burgbrunnen zu erforschen. Mit ehrenamtlichen Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehr, des Technischen Hilfswerks und einiger Harzburger Bürger gelang es ihm, den geheimnisvollen und bis dahin nicht vermuteten vermeintlichen Fluchtstollen von Heinrich IV. zu erkunden. Viele Bürger unserer Heimat werden sich noch heute an diese spektakuläre Brunnen-Erforschung erinnern.
„Untertage“ gab es viel zu entdecken. Bei 42,60 Meter Tiefe stand man schon auf einer Schuttsohle. Außer einem „modernen“ Gartenstuhl gab es keine historischen Dinge zu finden. Die gründliche Leerung des Brunnens um 1860 hatte ganze Arbeit geleistet. Aber die wichtigste Entdeckung war die Erkundung des bisher immer umstrittenen Stollen in Richtung Antoniusplatz. Dieser Stollen diente mit Sicherheit zur Wasserversorgung der Burg. Nach der Art, Größe und Ausstattung könnte er aber auch gut als kurzer Fluchtstollen für den König HEINRICH IV. mit einem verdeckten Ausgang an der Bergböschung gedient haben. Leider wurde es versäumt, amtliche Archäologen an dieser Aktion zu beteiligen. So wird dieser Stollen und damit seine Akzeptanz leider bis heute nicht zur Kenntnis genommen, obwohl er in Wirklichkeit vorhanden ist.

So ist es nach 950 Jahren seit der Fertigstellung der ersten HARZBURG durch HEINRICH IV. heute einmal Zeit an das überregionale und künstlerisch-historische Wirken von Hans-Henning Borchhardt zu erinnern und es zu würdigen. Nach dem Tod ihrer Mutter, einer geborenen Freiherrin von Bernewitz, ließen sich beide Brüder von ihrer Tante adoptieren. So sind beide Brüder Borchhardt heute unter dem Namen Freiherren von Bernewitz bekannt. Herr Freiherr Hans-Henning von Bernewitz verstarb 2013 bei Bonn am Rhein.

2018 | Horst Woick

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