
Eisenerz-Abbau in der „Grube Friederike“
Vorwort: Mitte des 19. Jahrhunderts wurde im „Amt Harzburg“durch den Bergingenieur W. Castendyck ein Eisenerz-Vorkommen erkundet. Zusammen mit Consul H.H. Meyer als Finanzier konnte ein Abbau und Verhüttung geplant werden. So begann mit der „Grube Friederike“ die Erschließung deraus mehreren geologischen Schichten bestehende Eisenerz-Lagerstätte. Das von West nach Ost ausbeißende Erzlager wurde zuerst an der Oberfläche (Standort des heutigen Industrie-Standortes „Mann und Hummel“, dem Wildgehege undGolfplatz) abgebaut. Nach Problemen mit der Wasserführung erfolgte ab 1861 durch die Abteufung eines Schachtes (zuerst bis auf 210 m Teufe) der Übergang zum „untertägigen“ Abbau. Es bildete sich die konsolidierten Harzburger Bergwerke „Friederike“ und „Hansa“.
Heute steht am Wegesrand beim Wildgehege eine vom Harzburger Geschichtsverein finanzierte Informationstafel. Sicher werden noch einige Passanten sich an diese Vergangenheit erinnern und einige Vorfahren erkennen können.

Historie: Das Eisenerzbergwerk „Grube Friederike“ um 1860 nach der Abteufung des ersten Schachtes. Der Erztransport zur Hütte in Schlewecke erfolgte zuerst mit Pferdefuhrwerken. Später bis zur Schließung des Bergwerkes 1963 mittels einer Seilbahn über die Siedlungsbereiche in Bündheim und Schlewecke zur Mathildenhütte.
Für die Verhüttung des Eisenerzes wurde die „Mathilden-Hütte“ an der damals neuen Eisenbahnlinie von Braunschweig ins Amt Harzburg, beziehungweise zurück, erbaut.
1937 wurde ein weiterer Schacht abgeteuft und dieser hatte letztlich auf der 13. Sohle eine Teufe von 408 Meter, mit Sumpf 425 Meter Teufe. Die Verhüttung der geförderten Erze erfolgte kriegsbedingt ab 1943 anschließend in den Salzgitter- Stahlwerken.
Geologie: Die geologisch maritim-sedimentäre Ablagerung bildete sich im Jura / Lias vor ca. 200 bis 155 Millionen Jahren. Die spätere Lagerstätte erfolgte durch die Zuführung von Eisenlösungen in ein Meer mitnachfolgender Bildung der oolithischen Erze. Die Ablagerungen wurden später durch geologische Auf- und Absenkungsvorgänge (Harzrand-Überschiebung) um ca. 120 Grad überkippt. Es bildete sich die „subherzynische Mulde“ zwischen dem heutigen Harz-Rand bei Bad Harzburg und Vienenburg. Die älteren Ablagerungen lagen nun am Harz-Rand über den jüngeren Schichten. Heute noch gut zu erkunden im Kalk-Werk Oker-Harlingerode. Zahlreiche Fossilien sind in den Meeresablagerungen eingebettet. Durch die Überkippung wurde das „geologisch Liegende“ in mehreren Erzlagern nun das „bergmännisch Hangende“. Der Eisengehalt der abbauwürdigen Erze betrug zwischen 25 bis 35 %. Ein zusätzlicher Kalkgehalt war als notwendiger Zuschlagstoff für die Verhüttung sehr förderlich.
Besonders zeichnet sich der teilweise hohe Anteil von Meeres-Fossilien, vorrangig bis 1 m große Ammoniten, im Eisenerzlager aus. Diese sind heute in der geologischen Sammlung der TU Clausthal zu sehen. Ende des 20. Jahrhunderts wurden im Kalk-Steinbruch in begleitenden Horizonten sogar Fossilien von einer speziellen Saurier-Art gefunden. Diese besondere Saurier-Art erhielt den Namen „Europasaurus-Holgeri“, und ist im Saurier-Museum Münchehagen sehr anschaulich und umfangreich ausgestellt.

Bergbau: Der bergmännische Abbau von drei Eisenerz-Lagern mit unterschiedlicher Mächtigkeit zwischen 2 bis 7 Meter erfolgte im Scheiben-Bruchbau von je ca. 50 m in der Höhe. Das war damit auch der Teufen-Abstand zwischen je zwei Sohlen als Füllort am Schacht und der Richtstrecken. Von diesen Richtstrecken zweigten die Querschläge zu den einzelnen Erz-Abbauen ab. Im Erzlager wurden jeweils 2 Aufhauen (kleine Schächte – Fahr- und Sturz-Rolle) zwischen Sohlen aufgefahren.
Es erfolgte keine anschließende Verfüllung der Hohlräume, die durch das abgebaute Erzlager entstanden sind. Diese gingen fortlaufend gezielt zu Bruch und füllten sich mit dem unberechenbaren und gefährlichen „bergmännisch-Hangenden“ aus anstehenden Tonlagen. Dieser Bereich über den Köpfen der Bergarbeiter wurde als der „Alter Mann“ benannt.
Das Eisenerzbergwerk Friederike wurde im Jahr 1963 geschlossen und die zwei Schächte verfüllt. Der gesamte Grubenbau ist auf natürliche Weise verdichtet und Absenkungen sind nicht mehr zu befürchten. Heute wird das ehemalige Grubengelände industriell und das Bergschadensgebiet als Wildgehege und Golfplatz genutzt.
Chronologie: Die konsolidierten Bergwerke “Grube Friederike“ und „Grube Hansa“ mit der Mathildenhütte durchlebten in über 100 Jahren eine wechselvolle Geschichte und prägten in dieser Zeit die Industrialisierung im „Amt HARZBURG“. Viele Bürger des Amtes HARZBURG haben in diesen Bergwerken und der Hütte ihre harte Arbeit verrichtet! Auszug aus einer Niederschrift des Bergamtes:
„Konsolidierte Eisenerzbergwerk FRIEDERIKE und HANSA“
Oberbergamtsbezirk Clausthal, Bergamt Goslar Süd

Wie doch die Geschichte in so „kurzer Zeit“ die Landschaft verändert und dem einen ganz neuen Charakter gibt. Von harter Arbeit – zu Freizeit und Erholung!

Das ehemalige Berg-Schadensgebiet hat heute sich mit dem Wildgehege und Golfplatz für die Gäste und Bewohner von Bad Harzburg mit umlaufenden Wanderwegen zu einer Grünanlage und einem zweiten Kurpark für Jung und Alt entwickelt!
Horst Woick | 2021
— Weitere Bilder zum Erzabbau im „Amt Harzburg“ —
