Drei Burgen

Drei-Burgen-Wanderung

Diese Wanderung führt durch die bewegte Geschichte der Kaiser und Könige, die auf und von der „Hartesburg“ residierten und regierten. Das Wegelogo führt die Wanderer über Eichenberg, Sachsenberg, Kleiner und Großer Burgberg zu den drei Burgen. Wem der Rundweg in einem Stück zu herausfordernd erscheint, dem stellen wir die Tour auch in zwei Etappen aufgeteilt vor.

Die Wanderung beginnt rechts neben dem Parkplatz Berliner Platz

Streckenlänge: rund 7 Kilometer
Dauer: etwa 2,5 Stunden
240 Höhenmeter

Als „Wegbegleiter“ sei ein Buch von Horst Woick und Sonja Weber empfohlen:
„Der Bad Harzburger Drei-Burgen-Weg“

Das Buch ist erhältlich in der BÜCHER-HEIMAT
Herzog-Wilhelm-Straße 64c in Bad Harzburg

Wir starten rechts vom Parkplatz Berliner Platz über den Wanderweg nach links bis zum Ehrenmal. Von dort aus führt die Route rechts den schmalen Waldweg hinauf. Nach etwa 200 Metern wird der kurze Treppenaufstieg rechts hinauf genommen. Die Wanderer haben damit den „Hurensteig“ erreicht.

Auf diesem Weg wurden im 17. Jahrhundert die „edlen Damen“ vom Hofe in Wolfenbüttel, wenn die dort stattfindenden Schäferspiele der adeligen Jugend Früchte getragen hatte, in Sänften, von Fackelträgern bei Nacht den schmalen Weg hinauf zum Kleinen Burgberg gebracht. Hier wohnte die Burg Mieke und ihr Bruder, der Burg Hans Jürgen. Mieke verdiente sich ihren Lebensunterhalt als „Engelsmacherin“ – sie nahm Abtreibungen vor.

Der Weg führt weiter bergan bis zum Abzweig Kleiner Burgberg / Großer Burgberg. Hier folgt man dem Wege-Logo nach rechts auf den Kleinen Burgberg.

Von der Kleinen Harzburg ist nicht viel bekannt. Ob sie vor, während oder nach der Großen Harzburg erbaut wurde, lässt sich nicht bestimmen. Seit den Ausgrabungen 1900 bis 1907, bei denen unter Leitung des Forstrates Robert Nehring auch der rund 32 Meter tiefe Burgbrunnen ausgeräumt wurde, fanden keine weiteren Ausgrabungen mehr statt. Leider standen für die Untersuchung des Holzes,  mit dem der Brunnen ausgekleidet war, die heutigen Analysemöglichkeiten noch nicht zu Verfügung.

Näheres in dem Buch „Geschichte und Archäologie der Harzburg“ von W.-D. Steinmetz.

Die noch heute gut sichtbaren Burggräben zeugen davon, dass es sich um eine nicht unbedeutende Anlage gehandelt haben muss. Auf fünf Info-Stelen kann die Geschichte des Kleinen Burgbergs nachgelesen werden. Über die QR-Codes auf den Stelen können weiterführende Informationen abgerufen werden.

Bevor man den Kleinen Burgberg wieder verlässt, sollte man in keinem Fall einen Blick von der angrenzenden Klippe verpassen! Der Weg führt dann zurück zum Abzweig Kleiner Burgberg/Großer Burgberg. Hier folgt man dem Logo etwas nach links, biegt dann sofort nach rechts ab, die Treppe hinunter auf den Laubenweg. Rechts bergan erreicht man (einige Meter kraxelnd) alsbald die „Harzburg-Höhle“.

Zur Geschichte um die Höhle: Am ersten Freitag im Monat, wenn gleichzeitig Vollmond ist, öffnet die Weiße Frau das Höhlentor und bittet den Wanderer, der gerade vorbeikommt, in die Höhle. Hier trifft man auf Heinrich IV. mit seinem Hofstaat und wird zum mitternächtlichen Gelage eingeladen. Aber wehe, wenn man den Glockenschlag „ein Uhr“ verpasst….                                                 

Andere Sagen und Mythen mutmaßen die Höhle als Wohnsitz des letzten Harzer Tatzelwurms, der den Bauern die Schweine wegfraß. Oder sie berichten, dass die Bergleute des Rammelsberges an dieser Stelle während des Sachsenaufstands versuchten, dem Burgbrunnen das Wasser abzugraben und so Heinrich IV. zur Aufgabe zwingen wollten?

Viele „Wahrheiten“ also, über die man auf dem Weg zum Antoniusplatz grübeln kann. Von dort aus dem Logo folgen auf den Weg in Richtung „Bergbahn-Bergstation“. Man erreicht die Treppe zum Kammertor, man kam kann aber auch ein Stück weiter gehen und kommt dann von der Statue des Sachsengottes „Krodo“ auf das Burgplateau.

Die mächtigen, bis zu 10 Meter hohen und 1,70 m dicken Mauern wirken eindrucksvoll auf den Betrachter. Auf dem Plateau erahnt man die ganze Größe der Burganlage. 1065 bis 1068 von König Heinrich IV. erbaut, von den Sachsen während der Sachsenaufstände um 1074 schon wieder zerstört. Durch Verrat, denn aufgrund ihrer Bauweise galt die Burg damals als uneinnehmbar.

Die Reichsburg war zu ihrer Zeit „größer und schöner als mancher Bischofssitz“, besaß eine bedeutende Stiftskirche mit der Grablegung des Sohnes und Bruders Heinrich IV. sowie wertvollen Reliquien. Die Stiftskirche, die Gebeine und die Reliquien wurden bei der Zerstörung der Harzburg durch die aufständischen Sachsen „in alle Winde zerstreut, so dass es einem in der Seele wehtat“. So beschreibt ein Abt das Geschehen. Er sammelte die Gebeine und Reliquien ein und „verbrachte sie in sein Kloster in der Nähe“. Um welches Kloster es sich handelte, ist nicht überliefert.

Nach der Zeit Heinrich IV. ging die Burg in den Besitz Kaiser Barbarossas über. Der nahm bedeutende bauliche Veränderungen, darunter den Abschnittsgraben, auf der Burg vor. Die Bautätigkeiten wurden von Kaiser Otto IV. fortgeführt und beendet. Otto starb 1218 auf der Harzburg. Somit lenkten drei Kaiser des Heiligen Römischen Reiches zumindest zeitweise von der Harzburg aus die Geschicke des Reiches.

Später wechselte die Burg noch mehrfach die Besitzer, die durch ihre jeweilige Bautätigkeiten Spuren hinterlassen haben. Daher ist heute keine genaue Datierung und Zuordnung der Burgteile der Harzburg möglich.

Allerdings lässt der Förderverein Historischer Burgberg in Zusammenarbeit mit dem Archäologen Thomas Moritz und einer nordischen Universität Mörtelreste untersuchen, die eine recht genaue Datierung zulassen werden. Vielleicht kann man dann die Methode auch auf der Kleinen Harzburg anwenden.

Besonders sehenswert sind noch der Pulverturm und der Burgbrunnen, durch den Heinrich IV. geflohen ist (sein soll). Und natürlich die Canossasäule, von der aus der Blick weit ins Nordharzer Vorland schweifen kann.

Es bietet sich an, eine verdiente Pause im Gast- und Logierhaus „Aussichtsreich“ zu genießen. Eine köstliche Stärkung für den weiteren Weg inklusive.

Weiter geht es dann links von der Canossasäule über die frühere Zuwegung der Burg wieder zum Antoniusplatz.                                                 

Der Heilige Antonius von Padua (geb. um 1195, gest. 13.06.1221) ist der Schutzpatron der Wanderer, Reisenden, Bergleute, Sozialarbeiter, der Armen, der Frauen und Kinder, der Liebenden, der Ehe, Pferde und Esel, er wird angerufen bei Fieber, Pest, Schiffbruch, Viehkrankheiten und insbesondere, wenn man etwas verloren hat. Was ihm in manchen Regionen den Beinamen „Schlamper Toni“ und „Schussel Tünn“ eingebracht hat.

Rechts am Antonius vorbei führt der weitere Weg bis zum Abzweig „Sachsenberg“. Nach einem kurzen Anstieg steht man auf dem Gipfel des Sachsenbergs. Hier stand 1072 – 1074 die Belagerungsburg der Sachsen, eine „Motte“ aus Steinwall und Palisaden, von der aus man die Vorgänge auf der Harzburg beobachten konnte. Bis zu 50000 Sachsen sollen Heinrich belagert haben. Das Heer stand vermutlich dort, wo heute der Großparkplatz ist. Durch den immer enger werdenden Belagerungsring und die Zerstörung viele seiner anderen Burgen im Harz, sah Heinrich IV. letztendlich keinen anderen Ausweg als die Flucht von der Harzburg. Leider kann man den damaligen Blick vom Sachsenberg auf die Harzburg nur in der Phantasie nachvollziehen, der Baumbestand verhindert die damalige „freie Sicht“.

Vom Sachsenberg geht es hinunter bis „Bank 4 Besinnungsweg“, dann rechts hinab zur Säperstelle. Es lohnt sich einige Meter über den Platz hinaus zu gehen, denn hier befindet sich der Sachsenbrunnen. Der Brunnen hat nichts mit den Sachsen zu tun, sein Name wurde willkürlich gewählt. Er gehört zu einem Teilstück der Wasserleitung vom Spükental zum Burgbrunnen. Die Wasserleitung wurde bereits 1065 bis 1068 angelegt und besteht aus etwa 3000 konisch ineinandergesteckten Tonröhren. Eine technische Meisterleistung zur damaligen Zeit. Ähnliche Wasserleitungen lassen sich in römischen Gebieten finden. Am Sachsenbrunnen trinkt man aus der wahrscheinlich ältesten Wasserleitung Deutschlands.

Der Weg führt nach links, den breiten Waldweg mit herrlichen Ausblicken entlang zum Eselsplatz. An diesem Platz wurden früher die Esel, die die „feinen Damen“ vom Berliner Platz auf den Burgberg brachten, gewechselt. Eine Bronzeplastik zur Erinnerung an diese Beförderungsmethode steht am Berliner Platz.

Jetzt geht es auf dem schmalen Resiweg (ein in die Resi verliebter Man schrieb an die Bäume den Namen seiner Liebsten, damit sie den Weg zum Platz des „Stelldicheins“ finden konnte). An der Querung des „Eichenberg Rundweg“ geht es nach links bis zum Abzweig „Diaskop“. Beim Blick durch das Diaskop meint man, es hätte sich in der Zeit des Wanderns Wunderliches auf dem Burgberg getan, denn auf dem Plateau thront plötzlich die prachtvolle Burg Heinrich IV.  

Zurück auf dem breiten, talwärts führenden Waldweg erreicht man, links an der Siedlung „Krodotal“ vorbei, wieder das Ehrenmal und von dort aus den Ausgangspunkt der Tour am Berliner Platz.