{"id":128,"date":"2022-10-12T10:00:55","date_gmt":"2022-10-12T10:00:55","guid":{"rendered":"http:\/\/die-harzburg.de\/?page_id=128"},"modified":"2022-10-12T10:28:29","modified_gmt":"2022-10-12T10:28:29","slug":"canossasaeule","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/die-harzburg.de\/?page_id=128","title":{"rendered":"Canossas\u00e4ule"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"720\" height=\"482\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/die-harzburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Canossasaeule.jpg?resize=720%2C482\" alt=\"\" class=\"wp-image-129\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/die-harzburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Canossasaeule.jpg?w=800&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/die-harzburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Canossasaeule.jpg?resize=300%2C201&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/die-harzburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Canossasaeule.jpg?resize=768%2C514&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Ein Canossagang ist ein Bittgang der schwerf\u00e4llt, aber von den \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nden her unvermeidlich ist.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Canossa-S\u00e4ule auf dem Burgberg<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><em>Von Klaus R\u00f6ttger<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>die Canossa-S\u00e4ule steht auf der H\u00f6he des Burgbergs und gr\u00fc\u00dft weit ins Land hinein. Bei Dunkelheit wird sie seit einiger Zeit wieder angestrahlt und ist damit besonders augenf\u00e4llig. Das 19 Meter hohe Denkmal wurde zu Ehren des Reichsgr\u00fcnders Bismarck errichtet, darum tr\u00e4gt es auch den Namen Bismarckstein. Die Enth\u00fcllung erfolgte am 26. August 1877 bei str\u00f6mendem Regen, wie der Chronist zu berichten wei\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Canossas\u00e4ule war das Ergebnis der seinerzeit den H\u00f6hepunkt erreichenden Bismarckverehrung. Besonders der Bergwerksdirektor Wilhelm Castendyck tat sich hier hervor und war einer der Initiatoren des Denkmals. Das an der S\u00e4ule angebrachte Relief Bismarcks wurde von Professor Engelhardt in Hannover modelliert und von Professor Howaldt aus Braunschweig gegossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was die S\u00e4ule von anderen Bismarckdenkm\u00e4lern unterscheidet, ist die Verewigung des unstrittenen Bismarckwortes w\u00e4hrend des so genannten Kulturkampfes: ,,Nach Canossa gehen wir nicht&#8220;. Der Reichskanzler hatte es am 14. Mai 1872 im Reichstag ausgesprochen. Das vielfach fehlinterpretierte Wort spielte auf den Bu\u00dfgang Kaiser Heinrichs IV. zum Papst an. Zu diesem Kaiser Heinrich gibt es in Bad Harzburg eine besondere Beziehung. Er hatte in den 60er Jahren des 11. Jahrhunderts auf dem Burgberg eine gewaltige Reichsburg erbauen lassen, die allerdings heute fast v\u00f6llig verschwunden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 20. September 1883 erfuhr das Ehrenmal eine k\u00fcnstlerisch stark umstrittene Erg\u00e4nzung. An diesem Tage wurden zwei, wiederum von Professort Engelhard modellierte Walk\u00fcren links und recht neben der S\u00e4ule aufgestellt. Anfangs hatte das Denkmalskomitee zwei ,,Wilde M\u00e4nner&#8220;, die sich sowohl im damaligen Braunschweiger als auch preu\u00dfischen Wappen fanden, geplant. Damit war der K\u00fcnstler aber nicht einverstanden, und weil er die Figuren mehr oder weniger schenkte, kamen die Schlachtenjungfrauen zur Ausf\u00fchrung. Die Modelle waren vorher in einem Schuppen ausgestellt worden. Von den Eintrittsgeldern wurden die Ausgaben des K\u00fcnstlers bezahlt. Die beiden Damen thronten etwa 30 Jahre neben der S\u00e4ule, dann waren die in Zinkguss hergestellten Figuren so verrottet, dass die abgebaut und verschrottet werden mussten. Ein Kopf wurde allerdings noch jahrlang im Burgbergmuseum ausgestellt. Er ist heute aber auch nicht mehr vorhanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1895 hat die Stadt Bad Harzburg den F\u00fcrsten Otto von Bismarck zum Ehrenb\u00fcrger ernannt. Zwei Jahre sp\u00e4ter wurde sogar ein damals noch im Bau befindlicher Stra\u00dfenzug in Bismarckstra\u00dfe umbenannt. Bismarck starb am 30. Juni 1898 in Friedrichsruh ohne jemals der Kurstadt einen Besuch abgestattet zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Historische Hintergr\u00fcnde<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das von GREGOR VII. erlassene \u201eDictatus Papae\u201c besagte, dass der Papst der oberste Herr der Christenheit w\u00e4re, seine Macht sollte sogar so weit reichen, selbst K\u00f6nige absetzen zu d\u00fcrfen. Das Motto lautete: \u201eAlle Reiche sind Lehen des Petrus\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Das l\u00f6ste den sogenannten Investiturstreit (1075\/76\u20131122) aus, in dessen Zentrum die Frage stand, wer berechtigt sei, Bisch\u00f6fe oder \u00c4bte in ihre \u00c4mter einzusetzen. (Einsetzung = lat.: investitura).<\/p>\n\n\n\n<p>Respektlos richtete sich K\u00f6nig Heinrich IV. Appell \u201e&#8230; an Hildebrand, nicht mehr den Papst, sondern den falschen M\u00f6nch &#8230;\u201c. Heinrich betrachtete sich selbst als Gesalbter des Herrn und forderte: \u201eSo steige du denn, der du verdammt bist, herab, verlasse den apostolischen Stuhl, den du dir angema\u00dft hast &#8230; Ich, Heinrich, durch Gottes Gnade K\u00f6nig, sage dir zusammen mit allen meinen Bisch\u00f6fen: Steige herab!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In der Auseinandersetzung, wer das eigentliche Oberhaupt der Christenheit sei, greift Papst Gregor VII. zum \u00e4u\u00dfersten Mittel und exkommuniziert Heinrich IV. Der Bannspruch war etwas Einmaliges, v\u00f6llig Undenkbares: [Ich] \u201e&#8230; spreche K\u00f6nig Heinrich &#8230; der Regierung des ganzen K\u00f6nigreichs der Deutschen und Italiens ab, l\u00f6se alle Christen von den Fesseln des Eides, den sie ihm geleistet haben &#8230; und verbiete jedermann, ihm als K\u00f6nig zu dienen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesem Bannspruch entbindet Papst Gregor VII. Heinrich IV. von seiner Herrschaft \u00fcber das Reich, au\u00dferdem l\u00f6st er alle Christen von dem Eid, den sie auf den K\u00f6nig geleistet haben. Die Folgen sind gravierend: Die F\u00fcrsten im Reich verweigern Heinrich die Gefolgschaft. Heinrich IV. hat keine andere Wahl. Im Winter 1077 muss er \u00fcber die verschneiten Alpen nach Canossa ziehen. Nur von wenigen Getreuen begleitet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ehrliche Bu\u00dfe oder leeres Ritual?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Papst Gregor fl\u00fcchtet in die Burg Canossa, um der Begegnung mit Heinrich aus dem Weg zu gehen. Dort aber hat der K\u00f6nig m\u00e4chtige F\u00fcrsprecher. Die Markgr\u00e4fin der Burg Canossa, Mathilde von Tuszien und Heinrichs Taufpate Hugo von Cluny versuchen, Gregor davon zu \u00fcberzeugen, die k\u00f6nigliche Bu\u00dfe anzunehmen. Denn eigentlich wird im Mittelalter vorher \u00fcber das Ritual der Unterwerfung verhandelt. Bezeugt ist jedenfalls, dass Heinrich am 25. Januar 1077 das Bu\u00dfritual beginnt. Drei Tage lang l\u00e4sst Gregor den K\u00f6nig barfu\u00df und im B\u00fc\u00dfergewand im Schnee stehen. Endlich, am vierten Tag, entscheidet sich Gregor, Heinrich zu vergeben und ihn wieder in die Kirchengemeinschaft aufzunehmen. Als taktischer Sieger geht Heinrich aus der Auseinandersetzung hervor, doch wurde der Gang nach Canossa zum Symbol f\u00fcr den Sieg der geistlichen \u00fcber die weltliche Macht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Quellen<\/strong>:<br>Sch\u00fclerlexikon: Gang nach Canossa<br>Planet Wissen: Die Salier | Autorin: Sabine Kaufmann<br>relilex.de<br>Harzer Wandernadel-Stempelstellen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Canossagang ist ein Bittgang der schwerf\u00e4llt, aber von den \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nden her unvermeidlich ist. 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